Vermittelt im Powerpark auf spielerische Art und Weise das Thema erneuerbare Energie: Werner Kiwitt.

Vermittelt im Powerpark auf spielerische Art das Thema erneuerbare Energie: Werner Kiwitt.

Gleich an der ersten Station könnten wir uns ein paar Nudeln kochen. Das Wasser dafür blubbert, jetzt am frühen Nachmittag, köchelnd vor sich hin. Das Besondere: Weder Strom noch Gas würden uns zu unserer warmen Mahlzeit verhelfen. Das Wasser im Topf, der in einem einfachen Stahlgestell hängt, wird allein durch die Kraft der Sonne erhitzt. Ihre Strahlen werden mithilfe von zwei Spiegelflächen auf das Kochgeschirr reflektiert und so in nutzbare Energie umgewandelt.

Wir möchten auf spielerische Art und Weise zeigen, dass das Thema Energie und mit ihm das Kennenlernen von alternativen Energiequellen Spaß macht“, sagt Werner Kiwitt.

Der 58-Jährige ist Leiter des artefact Powerparks in Glücksburg, einem deutschlandweit einmaligen Energie-Erlebnispark. Kleine und große Besucher können hier auf rund zweieinhalb Hektar lernen und vor allem selbst ausprobieren, wie Energie erzeugt und umgewandelt wird – von Sonnenstrahlen, die zu Strom werden, über Reibung, die Wärme erzeugt, bis hin zu Auftrieb, der sich in Wind verwandelt.

Bildung mit globalem Austausch
Träger des Powerparks ist artefact, Zentrum für nachhaltige Entwicklung. Die auf globalen Austausch ausgerichtete Bildungseinrichtung mit eigenem Gästehaus, das auch „normalen“ Touristen offensteht, zieht Lernende aus zahlreichen Ländern und Berufsgruppen an. Auf dem Programm stehen praxisnahe Aus- und Fortbildung in den Bereichen Umwelttechnologie, -management und -pädagogik. Für Jugendliche wie für Erwachsene werden Workshops maßgeschneidert, in denen die Teilnehmer zum Beispiel lernen können, Solaranlagen zu montieren, Kleinwindräder oder Energiesparherde zu bauen, die besonders in Ländern des Südens zum Einsatz kommen könnten.

Interaktive Ausstellung wächst
Im Jahr 2000 als Expo-Außenstelle entstanden, lockt der Powerpark mittlerweile jährlich bis zu 18.000 Besucher an, darunter Familien, Schulklassen und Jugendgruppen. Im Park setzt man nicht nur auf das spielerische Erleben, sondern auch auf die stetige Weiterentwicklung der interaktiven Ausstellung.

„In den ersten zehn Jahren ging es vor allem um das Thema ‚Was ist Energie?’. Zurzeit sind wir dabei, einen Klimaparcours zu entwickeln, in dem die Besucher viel über den Klimawandel erfahren und ihren ökologischen Fußabdruck errechnen können“, erzählt Kiwitt. Denn, so der Technikpädagoge, man wolle den Besuchern auch Anregungen für das eigene Handeln mitgeben. „Allerdings ohne erhobenen Zeigefinger“, fügt er hinzu.

Wir haben das köchelnde „Nudelwasser“ längst hinter uns gelassen und sind weiter geschlendert. Vorbei an einer Wasserfontäne, für die man ordentlich in die Pedalen eines Fahrrades treten muss, um das kühle Nass in die Höhe schießen zu lassen. Ganz schön anstrengend, so einen Wasserdruck selbst zu erzeugen. Noch ein paar Meter weiter erkundet Helge, der mit seiner Mutter für einen Tagesausflug extra aus Dithmarschen angereist ist, ob man mithilfe eines Seils einen 200 Kilo schweren Findling bewegen kann. Allein ist es für den Achtjährigen doch zu schwer, wir packen mit an und siehe da: Das Prinzip Seilzug funktioniert; wir können uns mit „High-five“ abklatschen.

Mit vereinten Kräften: Besucher Helge bewegt mit Autorin Karen Jahn den 200-Kilo-Koloss.

Mit vereinten Kräften: Besucher Helge bewegt mit Autorin Karen Jahn den 200-Kilo-Koloss.


Von der begehbaren Glaskuppel, unter deren stickiger Hitze man die Erderwärmung nachvollziehen kann, über eine Windpumpe, die Wasser bergauf fließen lässt, bis zum Fahrrad, mit dem man Strom für das kleine Radio erstrampeln kann, an mehr als 40 Objekten kommen Besucher energetischen Phänomenen auf die Spur. Laut Kiwitt übrigens auch diejenigen, die keine Affinität zu den Naturwissenschaften mitbringen:

„Es muss niemand ein Ass in Physik sein, um hier sein Aha-Erlebnis und noch dazu wirklich Spaß zu haben,“ sagt er.

Öffnungszeiten Powerpark: 1. April bis 30. September montags bis freitags 9 bis 18 Uhr, sonnabends und sonntags 10 bis 18 Uhr; 1. bis 31. Oktober täglich 10 bis 18 Uhr

Der Artikel ist erschienen im Magazin Lebensart, Ausgabe 9/2016.

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