Hurrelmann_GenerationY_K1_140312.inddVerwöhnt, verweichlicht, konfliktscheu und politisch desinteressiert, so lauteten bisher die gängigen Klischees, die den heute 15- bis 30-Jährigen anhafteten. Die sogenannte Generation Y hatte es bisher nicht leicht, im öffentlichen Diskurs auch nur einigermaßen gut wegzukommen. Nun haben die Ypsiloner mit Klaus Hurrelmann und Erik Albrecht zwei engagierte Fürsprecher bekommen. „Stimmt alles gar nicht“, konstatieren nämlich Deutschlands bekanntester Jugendforscher und der Journalist. Mehr noch, in ihrem aktuellen Buch Die heimlichen Revolutionäre attestieren die beiden Autoren den Jahrgängen 1985 bis 2000 die Fähigkeit, unsere Gesellschaft maßgeblich zu verändern. Hurrelmann und Albrecht stützen sich dabei sowohl auf aktuelle Forschung als auch auf Interviews mit Ypsilonern selbst.

Unstillbarer Bildungshunger, ein von Downshifting und Antimaterialismus geprägter Konsum, ein neues, ganzheitliches Politikverständnis, großes Umweltbewusstsein sowie das erfolgreiche Einfordern von flexibleren Arbeitszeitmodellen:

„Auf leisen Sohlen, scheinbar angepasst und still sondierend und taktierend, mischen sie Bildung und Beruf auf, krempeln das Familienleben um, unterwandern die Politik, setzen neue Maßstäbe in Freizeit, Konsum und Wirtschaft, sorgen für ihre Zukunft vor und demonstrieren, wie man das alles schaffen kann, ohne ständig vom Burnout bedroht zu sein. Die Generation Y wird die deutsche Gesellschaft verändern“, so die beiden Autoren.

Dabei sind die Ypsiloner jedoch weniger Idealisten geschweige denn revolutionäre Guerillakrieger, als vielmehr geschickte Egotaktiker. Von klein auf haben sie gelernt, mit der Bedrohung durch Arbeitslosigkeit, durch Energie- und Finanzkrisen genauso wie durch Szenarien von 9/11 oder Fukushima relativ gelassen umzugehen und ihren Weg trotz all dieser Unsicherheiten zu meistern. Ob in Arbeitswelt, Politik oder Familie: Auf ihrem Kurs der gesellschaftlichen Veränderung hält bei den heute 15- bis 30-Jährigen nicht der Wille zur Weltverbesserung das Steuer, sondern stets die pragmatische Frage: „Was bringt MIR das?“ Und wenn das zu besseren Verhältnissen für die Allgemeinheit führt, ist das eben umso besser.

Es ist – angesichts der vielen Bildungsverlierer in unserer Gesellschaft – ein sehr optimistisches Bild, das Klaus Hurrelmann und Erik Albrecht von unserer zukünftigen Gesellschaft malen. Man möchte ihnen nur zu gern Glauben schenken.

Klaus Hurrelmann, Erik Albrecht: Die heimlichen Revolutionäre, Wie die Generation Y unsere Welt verändert, Beltz Verlag, 2014

 

 

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