Dohmen_OttoMoral_RZ2.inddFair gehandelter Kaffee, Bioprodukte aus der Region und Klamotten, die zu fairen Bedingungen und ökologisch unbedenklich produziert sind: Wer so einkauft, rettet die Welt. Oder etwa nicht? „Jein“, zu diesem Schluss kommt der Wirtschaftsjournalist Caspar Dohmen in seinem Buch Otto Moralverbraucher: Vom Sinn und Unsinn engagierten Konsumierens. Der in Berlin und Köln lebende Autor ist der Frage nachgegangen, inwieweit der ethische Konsum die Wirtschaft und damit die Gesellschaft grüner machen kann und ob sich die großen Konzerne tatsächlich durch bloßes Verbraucherverhalten hin zu mehr Ökologie und Fairness bewegen lassen.

Dohmen umreißt höchst lesenswert drei Jahrhunderte der globalen Geschichte von Verbraucherboykotten und des ethischen Konsums. Er steigt ein im 18. Jahrhundert bei den Abolitionisten. Die Gegner des Sklavenhandels engagierten sich unter anderem durch gezielte Kaufboykotte von Zucker, der mithilfe von menschenunwürdiger Sklavenarbeit auf den amerikanischen Zuckerplantagen hergestellt worden war. Dohmen beleuchtet das System des fairen Handels und dessen wirtschaftliche „Schlagkraft“, analysiert die (Macht-)Mechanismen von Marken und Konzernen und schlägt den Bogen bis hin zum heutigen kritischen Konsumenten. Dessen ambitioniertes Kaufverhalten klopft Dohmen anhand griffiger Beispiele im Lichte von soziologischen, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Aspekten ab.

Der kritische Konsument sei ein Stellrad im Getriebe für den Wandel in eine nachhaltigere Gesellschaft, bilanziert Dohmen zwar anerkennend am Ende seiner Analysen. Die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen aber, und diese Erkenntnis ist sicherlich nicht bahnbrechend neu, könne man letztlich doch nur mit politischem Engagement und eben nicht mit dem Einkaufswagen beeinflussen.

Caspar Dohmen: Ottomoralverbraucher. Vom Sinn und Unsinn engagierten Konsumierens, Orell Füssli, 2014, 224 Seiten, 18,95 Euro

 

 

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