Teamfreude über den Fairtrade Award: Marc Solterbeck (Mitte) mit Birgit Rautenberg und Kambiz Tafazoli

Teamfreude über den Fairtrade Award: Marc Solterbeck (Mitte) mit Birgit Rautenberg und Kambiz Tafazoli

Knöchelhohe oder flache Sneaker, Ballerinas, Bootschuhe oder Flip-Flops, noch dazu in allen möglichen Farben: Dass das Lübecker Label „Ethletic“ ein Händchen für lässiges, sportliches Schuhwerk hat, beweisen Marc Solterbeck und seine Mitstreiter seit 2010. Das Besondere:

„Unser Sneaker ist weltweit der erste seiner Art, der mit Fairtrade-zertifizierter Biobaumwolle produziert wird“, sagt der Geschäftsführer.

Im März wurde das Unternehmen mit dem deutschen Fairtrade Award, dem Oskar der Branche, ausgezeichnet.

Die Geschichte des Labels begann 2004 mit einem fair produzierten Fußball aus Naturkautschuk – damals ebenfalls eine Weltpremiere. Die Fairtrade-Strukturen, die die beiden Firmengründer James Lloyd und Martin Kunz für die Herstellung ihres nachhaltigen Sportgerätes aufgebaut haben, nutzt heute auch Solterbeck für seine Schuhkollektionen. Denn Sneaker und Co., alle elf Modelle sind außerdem vegan, werden in denselben zertifizierten pakistanischen Manufakturen hergestellt wie die Fußbälle.

„Für die Produktion von Schuhen gibt es bisher leider kein entsprechendes Label“, bedauert Solterbeck. „Aber wir können die bestehenden Strukturen quasi übertragen.“

Klassiker: Der „Fair Trainer“ war das erste Schuhmodell des Lübecker Labels.

Klassiker: Der „Fair Trainer“ war das erste Schuhmodell des Lübecker Labels.

Das Lübecker Unternehmen geht noch einen Schritt weiter: 15 Prozent des Verkaufspreises gibt es an die Arbeiter der Manufaktur ab, die mit dem Geld selbstbestimmt gemeinschaftliche Projekte anstoßen können.

Das Fairtrade-Siegel will den Verbrauchern die Gewissheit geben, dass sie Produkte kaufen, bei deren Produktion bestimmte Umwelt- und Sozialstandards eingehalten werden. Unabhängige Audits prüfen zum Beispiel, ob die Arbeiter gerecht entlohnt werden, die Arbeitsbedingungen stimmen, und sie achten darauf, dass es keine Kinderarbeit und Diskriminierungen am Arbeitsplatz gibt. Auch die Lieferkette der Sneaker aus Lübeck wird regelmäßig kontrolliert.

„Die schauen sich die Buchhaltung der Betriebe ganz genau an, sprechen mit den Mitarbeitern und prüfen, ob die Baumwolle auch wirklich bio ist“, sagt Solterbeck.

Besuch in Indien: Marc Solterbek (Mitte), begleitet von Musiker Ole Feddersen (re.), macht sich bei Ashok Kumar Mahavadi von der Baumwollkooperative Chetna Organic Farmers Association selbst ein Bild.

Besuch in Indien: Marc Solterbek (Mitte), begleitet von Musiker Ole Feddersen (re.), macht sich bei Ashok Kumar Mahavadi von der Baumwollkooperative Chetna Organic Farmers Association selbst ein Bild.

Auch er fliegt mehrmals im Jahr zu seinen Lieferanten, um sich selbst vor Ort ein Bild zu machen. „90 Tage im Jahr bin ich unterwegs“, sagt er. Sechs Mitarbeiter beschäftigt das Lübecker Unternehmen, einer davon ist in Pakistan vor Ort, das Design entsteht in Berlin.

Neben der zertifizierten Biobaumwolle aus Indien verwendet Ethletic Naturkautschuk, der in Sri Lanka auf FSC-zertifizierten Plantagen angebaut wird. Das Siegel für die Holzwirtschaft wird vom Forest Stewardship Council verliehen und bedeutet, dass die Produkte aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Die Latexmilch, die direkt aus der Rinde des Kautschukbaumes gewonnen wird, dient in flüssiger Form als Kleber für die Schuhe und in fester Form – als Naturgummi – für die Sohlen.

Etwa 30.000 Schuhe verkauft Marc Solterbeck, der im kommenden Jahr auch funktionale Sportbekleidung mit ins Programm aufnehmen will, jährlich. Seine Kunden müssen gar nicht tiefer in Tasche greifen als beim Kauf von „herkömmlich“ hergestellten Marken-Modellen. Letztlich, findet er, sei es eine Frage des guten Gefühls:

„Wenn man keinen Fair-Trade-Sneaker hat, hat man nicht zwangsläufig einen unfairen. Aber hat man einen, dann weiß man eben, dass man einen hat.“

 

Der Artikel ist erschienen im Magazin Lebensart, Ausgabe 5/2016.

 

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