In den USA und Holland längst etabliert, steckt der konstruktive Journalismus in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Drei WissenschaftlerInnen aus Münster wollen das nun ändern: Mit Beiträgen, die gut recherchiert und relevant sind – statt sekundenschnell und hochdramatisch.

Setzen mit Perspective Daily auf konstruktiven Journalismus: Maren Urner, Bernhard Eickenberg und Han Langeslag (v.l.n.r.).

Setzen mit Perspective Daily auf konstruktiven Journalismus: Maren Urner, Bernhard Eickenberg und Han Langeslag (v.l.n.r.).

Maren Urner, Han Langeslag und Bernhard Eickenberg wollen etwas bewegen. Als promovierte Naturwissenschaftler könnten die drei neue Medikamente entwickeln, regenerative Energien voranbringen oder zum Erhalt der Artenvielfalt beitragen. Doch stattdessen gründen sie ein Online-Medium. Warum?Der Schritt vom Wissenschaftler zum Journalisten ist nicht so groß“, sagt Han Langeslag. „Als Wissenschaftler stellt man die ganze Zeit kritische Fragen und versucht, Dinge genauer zu verstehen. Das ist ähnlich im Journalismus.“ Gleichzeitig dauere es heute oft Jahre oder Jahrzehnte, bis sich wissenschaftliche Erkenntnisse positiv für die Gesellschaft auswirkten – wenn überhaupt.

Neue Perspektiven nötig

Und weil sie gerne etwas zum Guten hin verändern möchten mit ihrer Arbeit, sitzen die drei nun in ihrem Büro an der Universität Münster und arbeiten an Perspective Daily, einem konstruktiven und lösungsorientierten Online-Medium. So hoffen sie, Aufmerksamkeit auf all die Lösungen und Ideen zu lenken, die Wissenschaft und Visionäre hervorbringen. „Wir haben Perspective Daily gegründet, weil wir neue Perspektiven brauchen“, erklärt Langeslag die Idee. „Jeder unserer Autoren hat feste Themen und versucht, mit den Lesern immer neue Perspektiven auf bekannte Probleme zu bekommen.“ Die wissenschaftliche Gründlichkeit, mit der die drei promovierten Naturwissenschaftler recherchieren wollen, soll dabei nicht zu Texten für den Elfenbeinturm führen, sondern das Wissen eben aus diesem heraustragen.

Dass es sich lohnt, dem Teufelskreis der schlechten Nachrichten, in dem sich die etablierten Medien befinden, zu entkommen, zeigen einige Studien: Einerseits lösen die täglichen Nachrichten von Terror, Krieg und Elend oft Niedergeschlagenheit, Hilflosigkeit und Stress aus. Ein negatives Weltbild ist die Folge. Andererseits könnten Menschen Nachrichten viel besser verstehen und ihre Wichtigkeit anerkennen, wenn sie nicht mit den Problemen alleine gelassen, sondern wenn ihnen Auswege aus vermeintlichen Sackgassen gezeigt werden.

Vorbilder aus Holland und den USA

Dass konstruktiver Journalismus funktioniert, zeigen Beispiele aus den USA und den Niederlanden: Hier sprießen junge Medien mit gut recherchierten, anspruchsvollen und positiven Texten aus dem Internet – und zeigen den etablierten Medien nebenbei noch, wie sich online mit Journalismus Geld verdienen lässt.De Correspondent aus den Niederlanden etwa hat nach zwei Jahren inzwischen über 40.000 Mitglieder. Sie finanzieren die Redaktion, die so frei von Werbezwängen gründlich und ohne Zeitdruck recherchieren kann. Das streben nun auch die drei Gründer von Perspective Daily an: Während der Crowdfunding-Phase, die Mitte Januar beginnt, wollen sie mindestens 12.000 Unterstützer von einer Jahresmitgliedschaft für 42 Euro überzeugen, sodass sich ihr Medium bereits im ersten Jahr selbst trägt. Bis dahin unterstützen das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der Europäische Sozialfond Perspective Daily mit einem EXIST-Gründerstipendium.

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