Aufmacher 3Wenn jemand Uta Janbeck in ihrer Jugend erzählt hätte, dass sie ein paar Jahrzehnte später mit Janbeck*s FAIRhaus Schleswig-Holsteins erstes klimaneutrales Hotel führen würde, wäre sie sicherlich erfreut gewesen. Wirklich erstaunt aber wohl nicht. „Ich habe mich schon als Jugendliche für Ökologie, fairen Handel und alternative Lebensentwürfe interessiert“, erzählt die heute 55-Jährige. Für ihr umwelt- und klimabewusstes Engagement durfte sie im April den diesjährigen Nachhaltigkeitspreis Schleswig-Holstein entgegennehmen.

Uta Janbeck ist ein typisches Beispiel dafür, dass man auch mit 40 Jahren noch mal neu durchstarten kann. Ehemann Stephan und sie waren früh Eltern geworden, hatten vier Kinder großgezogen und waren jahrelang von Ahrensburg nach Hamburg zur Arbeit gependelt. „Wir wollten einfach etwas anderes. Alles war uns zu laut, die Stadt zu dreckig und zu eng“, erzählt Uta Janbeck.

Das Ehepaar machte sich auf die Suche und fand schließlich 2002 den heruntergekommenen Angeliter Dreiseithof in Gelting-Lehbek. Nördlich der Schlei gelegen, eingebettet von Feldern und Wiesen soweit das Auge reicht und nur einen Steinwurf von den Stränden der Ostsee entfernt, war dies genau der richtige Ort, um den Traum von der etwas anderen Bed-and-Breakfast-Pension zu verwirklichen. „Wir wollten zeigen, dass man so einen Betrieb auch nachhaltig und fair führen kann“, sagt Uta Janbeck. Bis Ende 2006 die ersten Gäste einziehen konnten, mussten erst einmal die Ärmel hochgekrempelt werden. Eine umfangreiche Sanierung und der Umbau standen an, die Banken mussten vom damals noch recht exotisch klingenden Nachhaltigkeits-Konzept überzeugt werden. „Kaum jemand hat anfangs genau verstanden, was wir hier eigentlich vorhatten“, schmunzelt die Hauswirtschaftsmeisterin, die Ausbildung und Meisterbrief parallel zum Hofumbau absolvierte. Ehemann Stephan arbeitete lange Jahre als IT-Fachmann und ist heute Berater für nachhaltige Projekte. Für die Geschicke des Hotels zeichnet Uta Janbeck gemeinsam mit ihrem Team aus Hauswirtschafterin und einer Auszubildenden weitestgehend allein verantwortlich.

Durchdachtes ökologisches Konzept

Foto: Uta Janbeck

Foto: Uta Janbeck

Heute bietet der schmucke Dreiseithof mit dem reetgedeckten Haupthaus seinen Gästen sieben Zimmer und Ferienwohnungen. Im Café bietet Uta Janbeck Frühstück und Brotzeit mit überwiegend regionalen Produkten sowie selbst gebackene Kuchen und Torten an. Die 55-Jährige ist sowohl Mitglied bei FEINHEIMISCH als auch bei Slow Food. Auf dem Parkplatz vor dem Haus stehen Elektroautos, die zum Teil auch den Gästen zur Verfügung stehen – die eigene Stromtankstelle inklusive. Uta und Stephan Janbeck verstehen sich als Botschafter für E-Mobilität, fahren privat Elektroautos und nehmen einmal jährlich an der Wave Trophy teil, einer Ralley durch die Schweiz, die ein Zeichen für die umweltfreundlichere Fortbewegung setzen möchte. „Das macht zudem wirklich Spaß, und wir können unterwegs auch noch viele neue Gäste für Schleswig-Holstein gewinnen“, ist Uta Janbeck überzeugt. Für Wärme und Strom sorgen in Janbeck*s FAIRhaus zwei eigene Blockheizkraftwerke sowie die großen Photovoltaikanlagen auf dem Dach, und sogar das Abwasser wird in der eigenen Pflanzenkläranlage wieder aufbereitet. Ein durchdachtes Konzept, ein Haus, das sich selbst versorgt. Um den ökologischen Fußabdruck, also den CO2-Austoß, noch geringer zu halten, als er bei den Janbecks ohnehin schon ist, kompensiert das Ehepaar den übrig bleibenden Ausstoß, mit Zahlungen an ein äthiopisches Aufforstungsprogramm. „Seit letztem Jahr dürfen wir uns nun laut Viabono Rezertifizierung offiziell ‚Klimaneutrales Hotel’ nennen“, freut sich Uta Janbeck. Neben dem großen Ganzen sind es aber vor allem aber auch die kleinen Dinge, mit denen die Janbecks scheinbar spielerisch etwas bewegen. Mal sind es die übriggebliebenen Papp-Klorollen – „Davon fallen hier übers Jahr Massen an.“ –, die in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen zu Kaminanzündern recycelt werden, mal ist es der von Stephan Janbeck ausgetüftelte Mechanismus, der beim Öffnen der Fenster automatisch die Heizung herunterregelt: „Es ist toll zu zeigen, dass man auch schon mit kleinen Schritten den Alltag nachhaltiger gestalten kann“, sagt Uta Janbeck und fügt hinzu: „Wir sind kopierbar. Was wir hier auf die Beine stellen, das könnten andere auch.“

Der Artikel ist erschienen im Magazin Lebensart, Ausgabe 6/2017.

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