Foto: Babboe

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Sie transportieren mühelos eine ganze Kinderschar. Nur mit Muskelkraft oder auch mit E-Motor-Unterstützung können sie sperriges Zeug von A nach B transportieren. Und auch Ausgefallenes wie das Betreiben einer mobilen Kaffeebar auf Rädern lässt sich mit ihnen anstellen. Lastenräder sind mittlerweile landauf landab aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

“Das Geschäft läuft”, bestätigt Thorsten Krogh vom Kieler Fahrradladen Rückenwind. Und: Wo vor ein, zwei Jahren noch hauptsächlich Eltern die Packesel auf Rädern als alternative und umweltfreundliche Familienkutsche nachfragten, setzten nun auch vermehrt Firmen auf die CO2-neutrale Transportmöglichkeit:

„Selbstständige, kleinere Handwerksbetriebe, aber auch große Firmen, wie kürzlich ein Kieler Möbelhaus – die Nachfrage steigt“, so der Fahrradhändler.

Eine spannende Projektidee hatten vier Kieler Studenten: Mit ihrem Lastenradverleih auf Spendenbasis wollen Frederieke Meyn und ihre Mitstreiter Larissa Jaeger, Brent Anderson und Raphael Ganzenmüller dazu beitragen, den städtischen Lastenverkehr umweltfreundlicher zu machen. Das Prinzip ist einfach: Auf der Homepage des Kieler Tretwerks registriert man sich, gibt Zeit und eine der beiden Station an, entweder Universität oder Fahrradstation am Kieler Hauptbahnhof, und druckt sich im Anschluss die Ausleihbestätigung aus. Mit ihr und dem Personalausweis bekommt man dann am jeweiligen Standort den Schlüssel ausgehändigt. Die Höhe der Spende bestimmt jeder selbst, die Lastenräder können bis zu drei Tage lang ausgeliehen werden. 

Team Kieler Tretwerk (v.l.n.r.): Brent Anderson, Raphael Ganzenmüller, Friederike Meyn und Larissa Jaeger

Team Kieler Tretwerk (v.l.n.r.): Brent Anderson, Raphael Ganzenmüller, Friederike Meyn und Larissa Jaeger

„Wir setzen ganz bewusst auf die Spendenbasis, weil wir wirklich jedem den Zugang ermöglichen wollen. Wer mehr hat, gibt mehr und umgekehrt“, erklärt Meyn.

Den vier Studenten geht es neben der Frage nach einer umweltfreundlichen Mobilität auch um den Gedanken des Teilens und den niedrigschwelligen Zugang zu Gemeingütern. Die Nachfrage ist groß: „Beide Räder sind fast durchgehend ausgeliehen“, sagt Ganzenmüller. Die beiden Packesel hat ihnen der holländische Hersteller Babboe zu günstigen Konditionen überlassen. „Die fanden unser Projekt einfach gut“, sind die vier sicher. Von den Spendeneinnahmen finanzieren sie die Versicherung und Instandhaltung der Lastenräder und der Pflege des Onlineauftritts. Geld verdienen sie mit dem Projekt nicht.

Was für ein Potenzial in den Kraftprotzen mit Pedalen liegt, zeigt auch eine Studie aus dem Jahr 2012: Bis zu 85 Prozent aller innerstädtischen Autokurierfahrten könnten etwa durch Lastenräder mit Elektroantrieb ersetzt werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Neben massiver Einsparung von umweltschädlichen Emissionen ist der E-Lastenesel für die Transportfirmen zudem noch günstiger in Unterhalt und Anschaffung als ein Lieferwagen. Beides übrigens Argumente, die auch global Player wie DHL längst neugierig gemacht haben. Der Transportriese testest Lastenräder bereits in vielen europäischen Metropolen. Ganz billig ist die Anschaffung eines Lastenrades allerdings nicht: „Ohne Elektroantrieb bekommt man ab 1.400 Euro ganz gute Qualität, für eines mit E-Antrieb sollte man aber schon mit etwa 4.000 Euro rechnen“, weiß Fahrradexperte Krogh. Aber für den gelegentlichen Einsatz gibt es ja immerhin Projekte, wie das der vier Kieler Studenten.

Der Artikel ist in leicht veränderter Form im Magazin Lebensart, Ausgabe 8/2015, erschienen.

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