Möchte Menschen zum Motor machen für gesellschaftlichen Wandel: Der Kieler Geografieprofessor Christoph Corves.

Möchte Menschen zum Motor machen für gesellschaftlichen Wandel: Der Kieler Geografieprofessor Christoph Corves.

Ein Business, das nicht nur den eigenen Lebensunterhalt sichert, sondern auch zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems beiträgt, das wünschen sich immer mehr Unternehmensgründer. An der Kieler Universität gibt Christoph Corves mit dem kostenlosen Online-Kurs „Changemaker MOOC“ seinen Studenten bereits während ihres Studiums das Know-how an die Hand, um Projekte zu entwickeln, in denen sie mit unternehmerischen Ansätzen gesellschaftliche Herausforderungen anpacken können. Und: Der Kurs steht nicht nur Studierenden offen, sondern wird bundesweit mehr und mehr auch von Menschen ohne universitären Hintergrund genutzt.

„Oft ist da eine tolle Idee für ein Projekt oder ein Start-up, aber es fehlt das Wissen, wie ich sie verwirklichen kann“, sagt Corves, der als Professor am Geografischen Institut lehrt und forscht.

Von ihm stammt auch die Idee zum nachhaltigen Ideenwettbewerb „yooweedoo“ an der Kieler Uni, der seit 2012 jährlich nachhaltige Projekte auszeichnet und ihnen mit den Preisgeldern eine Anschubfinanzierung gibt. Dieses Jahr konnten sich für den Wettbewerb, am 1. Februar war Annahmeschluss für die 2016er-Runde, erstmalig alle Altersgruppen und auch Menschen ohne studentischen Hintergrund mit ihren Ideen bewerben.

Zukunftsmacher Plattform

Ob „Goldeimer“, ein Start-up, das ökologische Festivaltoiletten baut, das bundesweit bekannte Unternehmen „MyBoo“ mit seinen Bambusrädern, die nachhaltig und fair in Ghana produziert werden, oder das „Kieler Tretwerk“, ein Verleih für umweltfreundliche Lastenräder: Aus der yooweedoo-Challenge sind im Laufe der Jahre zahlreiche erfolgreiche Projekte aus den Bereichen Gesellschaft, Umwelt, Bildung oder Kultur hervorgegangen. „Die Teilnehmer kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Da sind viel tolle, kreative Leute dabei“, schwärmt Corves. Die Idee, mit einem Online-Kurs fehlendes Know-how zu vermitteln, lag nahe. Der Kurs ging 2013 zunächst auf „Iversity“ an den Start, einem europäischen Portal für Online-Kurse, bevor er im November 2015 auf der von yooweedoo initiierten „Zukunfstmacher Plattform“ online ging. Diese bietet neben dem Changemaker MOOC – „MOOC“ steht für „massive open online courses“ – eine Community an, in der registrierte Teilnehmer Informationen austauschen und sich vernetzen können.

 Praxisnah vermitteln

Von grundlegenden theoretischen Fragen über Aufgaben wie „Ziele und Zielgruppen definieren“ und „Projektstruktur planen“ bis hin zur Finanzierung und Präsentation des Vorhabens: Der Changemaker-Kurs beinhaltet insgesamt zehn Lektionen mit anschließenden Aufgaben.

„Wir wollen praxisnah vermitteln“, sagt Corves, der ohnehin findet, die Lehre an deutschen Unis vermittle viel zu selten neben all der Theorie auch Handlungskompetenzen. „Jede Lektion verbindet konzeptionelle Inhalte mit dem Erstellen von Bausteinen für die Umsetzung der jeweils eigenen Idee. Am Ende des Kurses haben die Teilnehmer ein fertiges Konzept für ihr Changeprojekt in der Hand.“

Dass es nicht nur Studenten sind, die das insgesamt viereinhalb Stunden umfassende Videomaterial plus Textlektionen durcharbeiten, habe ihn anfangs überrascht, so Corves. „Nur 40 Prozent der Nutzer sind Studierende. Der Rest kommt aus allen möglichen anderen Berufsgruppen.“ Und auch die Altersstruktur zeigt sich nicht, wie zunächst erwartet: Die Hälfte der Nutzer sind unter, die andere Hälfte über 30 Jahre alt. „Es schreiben sich auch viele Mittvierziger ein“, erzählt Corves. „Vielleicht sind deren Kinder flügge, und sie suchen noch einmal neben ihrem eigentlichen Beruf eine neue Aufgabe mit Sinn,“ vermutet er.

Der Artikel ist erschienen im Magazin Lebensart, Ausgabe 2/2016.

 

 

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