Gründete die Kieler Marktschwärmerei: Nele Markwardt.

Gründete die Kieler Marktschwärmerei: Nele Markwardt.

Im Internet Lebensmittel aus der Region kaufen und trotzdem persönlichen Kontakt zu den Erzeugern pflegen, das macht der neu gegründete Marktschwärmer Kiel, bis vor kurzem noch unter dem Namen Food Assembly bekannt, möglich. Seit Ende Januar lädt Organisatorin Nele Markwardt einmal wöchentlich zum Bauernmarkt mitten in der Stadt ein. Immer donnerstags von 17 bis 18.30 Uhr können die Kunden ihre im Netz bestellten Waren im Café mmhio direkt bei den Produzenten abholen.

„Ich möchte Erzeuger und Verbraucher zusammenbringen“, sagt Nele Markwardt über ihr Engagement. „Immer mehr von uns wollen wissen, wer unsere Lebensmittel gemacht hat, und immer mehr wollen gute Produkte aus der Region kaufen.“ Bereits 13 Produzenten aus Kiel und dem näheren Umland konnte sie bisher für die “Marktschwärmerei” gewinnen. Von Milch und Käse über Gemüse und Fleisch bis hin zu Ostseesalz, Marmelade, Spirituosen und Meeresfrüchten reicht das Angebot. „Es sollen aber noch weitere Produzenten hinzukommen“, so Markwardt.

„Eine sehr gute Idee!“: Doumorh El-Riz hat zum Auftakt Kartoffeln gekauft.

„Eine sehr gute Idee!“: Doumorh El-Riz hat zum Auftakt Kartoffeln gekauft.

Das Einkaufen ist einfach: Nach der Anmeldung auf der Internetseite wählt der Kunde mit einem Mausklick die gewünschten Waren aus, bezahlt vorab per Kreditkarte oder Überweisung und holt die Produkte anschließend auf dem Markt direkt beim Erzeuger ab. Die Mitgliedschaft ist kostenlos und unverbindlich. Etwas kaufen muss nur, wer möchte. „Eine sehr gute Idee“, findet Doumorh El-Riz. Die Studentin hat beim ersten Mal einen Papierbeutel Kartoffeln bestellt. „Es läuft super“, sagt sie. „Das Bestellen war ganz einfach, und ich kann die Waren mitten in der Stadt abholen. Ich komme wieder.“

Die Idee für einen solchen Bauernmarkt stammt ursprünglich aus Frankreich. Innerhalb von fünf Jahren fanden sich mehr als 1.000 Nachahmer in ganz Europa. Auch in Deutschland gibt es etwa 30 solcher Erzeugermärkte, die allesamt vom Berliner Netzwerk betreut werden, das als Dachorganisation mit Infrastruktur im Internet und auch sonst mit Rat und Tat zur Seite steht. Nele Markwardt, die erste sogenannte „Gastgeberin“ in Schleswig-Holstein, bewirbt wöchentlich nach Abstimmung mit den Produzenten die Produkte online und sorgt für die reibungslose Kommunikation mit den Mitgliedern. Bei der Auswahl der Erzeuger achtet sie vor allem darauf, dass alle handwerklich mit einem hohen Qualitätsanspruch arbeiten. „Ich besuche nach und nach die Höfe und schaue mir alles an.“ Eine Bio-Zertifizierung, so die Ökotrophologie-Studentin, sei für eine Teilnahme aber nicht zwingend.

Nele Markwardt kostet bei Kherstin Riecken (li.) den Joghurt von Rieckens Landmilch.

Nele Markwardt kostet bei Kherstin Riecken (li.) den Joghurt von Rieckens Landmilch.

Überzeugt von der Idee, den Interneteinkauf mit dem persönlichen Kontakt zu verbinden, sind auch die Erzeuger. Andrea Prahl vermarktet von Eckernförde aus Fleisch und Wurst vom Angler Sattelschwein. „Wir gewinnen Kunden in Kiel, die wir sonst gar nicht erreichen könnten. Außerdem ist der Termin am frühen Abend für mich einfach perfekt.“ Mit 25 Bestellungen habe sich der erste Bauernmarkt für sie schon gelohnt, so Prahl. Ganz ähnlich sieht das Kherstin Riecken, die in Großbarkau mit ihrer Familie Milchprodukte, Wurst und Fleisch produziert. Auch sie freut sich über den engen Kontakt zu den Kunden und darüber, auch die anderen Produzenten zu treffen. „Wir gehen hier ganz neue Wege in der Vermarktung, das ist toll“, sagt sie. Nele Markwardt hat mit ihrem Engagement offenbar einen Nerv getroffen: Knapp 750 Mitglieder zählte Marktschwärmer Kiel bereits zwei Wochen nach seiner Gründung.

 

Der Artikel ist erschienen im Magazin Lebensart, Ausgabe 3/17

This article has 2 comments

  1. Gibt es auch einen Abholmarkt für 21465 Reineke? LG

  2. Hallo Jan, einen Überblick über die Marktschwärmereien in (Nord-)Deutschland bekommt man auf https://marktschwaermer.de/de
    Viele Grüße
    Karen

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