Pyua-Geschäftsführer Timo Perschke (re.) mit Mitarbeiterin Frederike Müller.

Pyua-Geschäftsführer Timo Perschke (re.) mit Mitarbeiterin Frederike Müller.

Ökologisch unbedenklich, recycelbar, fair produziert und noch dazu ebenso funktional wie stylisch: All dies waren Kriterien, die für Timo Perschke, Gründer der Kieler Outdoormarke Pyua unverzichtbar waren. „Dabei war ich nie ein Öko“, schmunzelt der Unternehmer, „das war eher ein Lernprozess als eine Überzeugungstat.“ Seit 2009 produziert die Firma nachhaltige Ski- und Outdoormode – und ist damit weltweit nahezu allein auf dem ansonsten riesigen Markt für Funktionskleidung. Und das, obwohl laut aktueller Studien immer mehr Verbraucher auch in diesem Bereich nach ökologisch verträglicheren Produkten Ausschau halten. „Wir wundern uns manchmal, warum uns eigentlich niemand kopiert“, sagt Perschke und lacht. Und dass seine Idee richtig gut war, davon zeugen nicht nur steigende Umsatzzahlen, rund eine Million Euro waren es im vergangenen Jahr, sondern auch zahlreiche Preise, wie etwa der Bundespreis Ecodesign 2014.

Zu fast 100 Prozent wiederverwertbar

Kern der Unternehmensphilosophie von Pyua, der Name kommt aus dem Japanischen und bedeutet „rein und klar“, ist das Recycling. Perschke hat für seine Outdoorprodukte eigens einen Funktionsstoff entwickeln lassen, der zum einen atmungsaktiv, wasser- und winddicht sowie langlebig ist. Zum anderen wird er aus bereits recycelten Produkten hergestellt, ist wiederverwertbar und kommt ohne gesundheitsgefährdende Chemikalien aus. “Bei uns ist jedes Teil der Kollektion zu fast 100 Prozent recycelbar”, so der Geschäftsführer. Pyua porduziert nach den Richtlinien des Bluesign-Labels mit strengen Standards in Sachen Chemikalien und Färbemitteln und ist Mitglied in der Fair Wear Foundation, einer Organisation, die sich weltweit für faire und gesundheitlich unbedenkliche Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie einsetzt. Genäht werden Hosen, Jacken und Co. in Portugal, Lettland, Litauen, Slowenien und Schweden. “Den meisten Umsatz erzielen wir in Deutschland und in der Schweiz”, sagt Perschke, der seine Ware sowohl über ausgewählte Händler als auch über den eigenen Onlineshop vertreibt.

Recycling einmal anschaulich: Pyua-Mitarbeiterin Nele Müller inmitten alter Jacken, die Kunden bei der Aktion „Abwackprämie“ gegen einen Gutschein eingetauscht haben. (Foto: Pyua)

Recycling einmal anschaulich: Pyua-Mitarbeiterin Nele Müller inmitten alter Jacken, die Kunden bei der Aktion „Abwackprämie“ gegen einen Gutschein eingetauscht haben. (Foto: Pyua)

Aus alten Klamotten werden Garne

Um den Kreislauf der Pyua-Produkte schließen zu können, arbeitet das Unternehmen mit dem Textilrecycler Wenkhaus zusammen. In ganz Norddeutschland stehen dessen Sammelbehälter; auf der Pyua-Homepage können sich Kunden eine App herunterladen, die ihnen die zehn nächstgelegenen Container anzeigt. Die eingeworfenen Klamotten werden am Firmensitz in Hamburg sortiert. Pyua-Teile werden herausgefischt und landen auf einem Extrastapel. Im Anschluss gehen sie per Schiff vom Hamburger Hafen aus zu Kunstfaserherstellern in Europa und Japan, wo dann die neuen Garne entstehen. „Die Stoffe, die daraus gefertigt werden, unterscheiden sich qualitativ nicht von denen, die aus neuen Materialien gefertigt werden“, ist Perschke überzeugt.

Lange Lebensdauer

Bis es jedoch soweit ist, dass die seit 2009 verkauften Puya-Kollektionen komplett zurück in den Kreislauf kommen, kann es noch ein wenig dauern. „Wir rechnen gerade im Bereich der Ski-Kleidung mit einer Nutzungsdauer von etwa 17 Jahren“, sagt Perschke und lacht. Bis dahin lassen sich der 41-Jährige und sein mittlerweile elfköpfiges Kieler Team Aktionen wie die „Abwrackprämie“ einfallen. Bis zu 100 Euro bekommt man etwa für ein altes Teil beim Neukauf einer neuen Pyua-Skijacke. „Es ist natürlich ein Marketinginstrument“, gibt Perschke zu, „aber wir demonstrieren den Kunden so ja auch das Prinzip des geschlossenen Kreislaufs“.

Der Artikel ist erschienen im Magazin Lebensart, Ausgabe 12/2015.

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