Startschuss: Dr. Opayi Mudimu (re., Mitarbeiter CAU/AG Schulz) und Dr. Tim Staufenberger (Kieler Meeresfarm) schleppen im Frühjahr 2015 die Offshore-Plattform auf die Ostsee raus. Foto: CAU/AG Schulz

Startschuss: Dr. Opayi Mudimu (re., Mitarbeiter CAU/AG Schulz) und Dr. Tim Staufenberger (Kieler Meeresfarm) schleppen im Frühjahr 2015 die Offshore-Plattform auf die Ostsee raus.
Foto: CAU/AG Schulz

Sie sind so winzig, dass sie mit dem bloßen Auge nicht einmal zu erkennen sind. Und doch stecken in ihnen vielerlei Talente. Mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen, darunter reichlich Vitamin E und Omega-3-Fettsäuren, könnten sich aus Mikroalgen Kosmetik, Nahrungsergänzungsmittel, Medikamente und Zusatz für Fischfutter herstellen lassen. Und auch in Sachen Biomasse macht den kleinen Kraftprotzen so schnell keiner etwas vor.

„Mikroalgen sind in der Lage, etwa drei- bis fünfmal so viel Biomasse für die Energieerzeugung zu produzieren, wie zum Beispiel Mais“, sagt Professor Rüdiger Schulz, Direktor des Botanischen Instituts an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU). „Die Kultivierung auf dem Meer hat den Vorteil, dass keine Ackerflächen genutzt werden müssen. So bleibt mehr Platz für die Lebensmittelproduktion.“

Wie sich Mikroalgen in Offshorekulturen züchten lassen, dieser Frage geht eine Forschungsgruppe rund um Schulz, eine Kooperation zwischen der Kieler Uni sowie den Firmen Coastal Research & Management (CRM) aus Kiel und Sea & Sun Technology (SST) aus Trappenkamp, seit Mitte 2014 nach. Das Land Schleswig-Holstein hat das Vorhaben zunächst für zwei Jahre mit einer Summe von rund 450.000 Euro gefördert.

Die Mikroalgen leisten einen nicht unerheblichen Beitrag zur ökologischen Kreislaufwirtschaft: Während ihres Wachstums nehmen sie überschüssige Nährstoffe aus dem Wasser auf und wirken so der Überdüngung, ein akutes Problem in den Gewässern, entgegen. „Alles Tatsachen, die auch den globalen Einsatz einer solchen Offshore-Technik interessant machen könnten“, so Schulz.

In der Kieler Förde, auf dem Gebiet der Kieler Meeresfarm von Dr. Tim Staufenberger, der hier bereits erfolgreich Kieler Bio-Muscheln und Braunalgen für Kosmetik züchtet, hat die Projektgruppe ihre Offshore-Anlage verankert. Die Plattform versorgt sich durch Wind- und Sonnenenergie autark mit Strom. Die natürliche Bewegung des Ostseewassers sowie eine Pumpe sorgen für die nötige Belüftung der sechs Bioreaktoren, den Behältnissen, in denen die Mikroalgen heranwachsen. Einer Kühlung und Heizung bedarf es nicht, weil die Forscher ausschließlich mit Ostseealgen arbeiten, die sich den hiesigen Temperaturen anpassen.

Zu sehen ist nur grüne Flüssigkeit: In den Bioreaktoren schwimmen die Mikroalgen. Foto: Tebke Böschen, Uni Kiel

Zu sehen ist nur grüne Flüssigkeit: In den Bioreaktoren schwimmen die Mikroalgen.
Foto: Tebke Böschen, Uni Kiel

Welche Algenarten sind besonders geeignet? Wie können wir Technik und Behälter optimal anpassen? Welche Produkte können wir später selbst produzieren? Alles Fragen, an denen die Forscher aktuell arbeiten. Ihr Wissen wollen sie in Zukunft in die Produktion von Nahrungsergänzungsmitteln, Kosmetik und Zusätze für Fischfutter einfließen lassen. Und dass die von ihnen entwickelte Technik zur ökologischen Algenzucht weltweit Absatz finden könnte, davon sind sie überzeugt. Bis es soweit ist, wird es allerdings noch einige Jahre dauern. Ende April läuft die erste vom Land geförderte Projektphase aus. Professor Schulz und seine Projektpartner sind sich einig: „Wir möchten jetzt gerne auf den bisherigen Erkenntnissen aufbauen“.

Der Artikel ist erschienen im Magazin Lebensart, Ausgabe 3/2016

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