Urbanes Gärtnern ist hip. Auf Balkonien und in Hinterhöfen wird gebuddelt und gepflanzt, was das Zeug hält, um auch den letzten Quadratzentimetern noch Radieschen, Tomaten, Kräuter und Co. abzutrotzen. Und sogar der Schrebergarten hat sich vom piefigen Spießertraum zum Objekt der urbanen Begierde gemausert. Gut für die Brüder Lasse und Hannes Popken sowie Dennis Lizarzaburu, denn die drei Jungunternehmer wollen mit ihrem Kieler Start-up Rankwerk gärtnernde Städter mit ökologischem Saatgut und Zubehör ausrüsten.

Wollen das ökologische Stadtgärtnern voranbringen: Lasse Popken, Dennis Lizarzaburu und Hannes Popken (v.l.n.r.) von „Rankwerk“

Wollen das ökologische Stadtgärtnern voranbringen: Lasse Popken, Dennis Lizarzaburu und Hannes Popken (v.l.n.r.) von „Rankwerk“

„Stadtgärtnern macht die Luft nachweislich besser, bietet den Bienen Nahrung und steigert unsere Lebensqualität“, ist Hannes Popken überzeugt. „Wir wollen einen Schritt weiter gehen und auch die Gartenprodukte grüner machen. Ohne Plastikverpackung, recycelbar und qualitativ hochwertiger als die Billig-Schippe, die nach wenigen Einsätzen kaputt in den Müll wandert und deren Produktion dann doch nur Ressourcen verschwendet hat“, sagt der 30-Jährige. Er und seine Mitstreiter vertreiben über ihren Online-Shop unter anderem biozertifizierte Samen für Gemüse und Kräuter sowie handgefertigte Gartenwerkzeuge und Schürzen aus fairer Bio-Baumwolle.

Lust an Design

Nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch noch etwas fürs Auge: Jedes handverpackte Saatgut-Papiertütchen kommt liebevoll illustriert zum Kunden – beim Spinat etwa wächst ein muskelbepackter Popeye-Arm aus dem Grün, das Basilikum gedeiht in einem Pfeifenkopf. „Wir hatten keine Lust auf die schnöde Öko-Papiertüte. Uns war auch das Design wichtig“, so Hannes. Ebenso wie beim Werkzeug: Schaufeln, Kultivator und Spaten lässt Rankwerk in einem holländischen Familienbetrieb fertigen. Die Griffe sind aus massivem Holz, der Rest wird aus Edelstahl geschmiedet. „Sie sind vielleicht etwas teurer als die Produkte im Baumarkt, aber dafür halten sie auch wirklich lange“, meint Lasse.

ProdukteDie Idee, eine eigene Marke für Stadtgärtner zu entwickelten, ersannen die beiden Popken-Brüder gemeinsam. Ursprünglich hatte Hannes gemeinsam mit Kommilitonen aus dem Fachbereich „Sustainability, Society and the Environment“ das noch heute erfolgreiche Kieler Start-up Goldeimer gegründet, das 2013 mit ökologischen Komposttoiletten für Festivals an den Start ging. Er entschied sich dann zum Ausstieg, weil er zunächst sein Studium beenden wollte. „Aber das Thema Nährstoffkreisläufe ließ mich einfach nicht los“, sagt Hannes schmunzelnd. „Beim Thema Gärtnern betrachten wir die nun eben von der anderen Seite.“ Seinen Uni-Abschluss in der Tasche, überzeugte Hannes seinen Bruder vom Schritt in die Selbstständigkeit. Auch der vier Jahre jüngere Lasse hatte gerade seinen Bachelor in Architektur gemacht. Mit einem ersten Unternehmensentwurf – „Der war aber noch nicht ganz ausgereift.“ –, kamen die beiden 2016 beim Ideenwettbewerb Schleswig-Holstein immerhin unter die ersten 15.

Workshops und Events

Heute, ein halbes Jahr und ein ausgearbeitetes Konzept später, hilft den beiden ein Gründungsstipendium der WTSH, der zentralen Wirtschaftsförderungsgesellschaft in Schleswig-Holstein, das junge Unternehmen voranzubringen. Dessen Team ist seit Kurzem mit Informatiker Dennis und seinem Know-how rund um Design, Website und -shop komplett. Um noch mehr Menschen vom Stadtgärtnern zu überzeugen und zu zeigen, wie man es richtig anstellt, möchten Hannes, Lasse und Dennis in Zukunft auch Events und Workshops anbieten. „Das können After-Work-Events mit Spaten und Schaufel sein , Fortbildungen und Teambuildings für Firmen oder auch Veranstaltungen für die ganze Familie“, so Hannes.

 

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