Im schlechtesten Fall sind sie nur wenige Sekunden im Gebrauch, bevor sie zerknüllt in der Mülltonne landen – die allerwenigsten von ihnen in der Altpapiersammlung. Kaum ein belegtes Brötchen vom Bäcker, kaum ein süßes Teilchen, das nicht in der Einwegtüte über den Tresen wandert. Dass das auch Folgen für die Umwelt hat, ist wohl den meisten nicht bewusst. „Die Ökobilanz der Papiertüten ist teilweise noch verheerender als die von Plastik. Sie werden in der Regel einfach im normalen Müll entsorgt und nicht recycelt“, sagt Christina Lehmann. Ein Problem, für das die 25-Jährige gemeinsam mit Anja Kromer eine Lösung entwickelt hat.

„Umtüten“ heißt das Projekt der zwei Studentinnen, das im vergangenen Jahr beim Ideenwettbewerb yooweedoo der Kieler Uni mit 2000 Euro prämiert wurde. Mit dem Geld konnten die beiden ihre Idee, ökologisch sinnvolle Mehrwegbeutel als Alternative zur Ex-und-hopp-Tüte zu kreieren, weiter voranbringen, Prototypen anfertigen lassen und sich um Businessplan und Marketing kümmern. Mit ihrer „Snack-Tüüt“ und „Broot-Tüüt“, erstere ist ein auswischbarer mit Maisstärke beschichteter Beutel aus Bio-Baumwolle, die Broot-Tüüt ein Säckchen aus waschbarem Bio-Nesselstoff, konnten sie schnell die ersten zwei Kieler Bäckereien mit ins Boot holen. „Eine super Idee“, ist etwa Kai Lyck von „Restez a Kiel – La Boulangerie artisanale“ überzeugt. „Wir verschwenden mit den Brötchentüten unnötig viel Papier, der Mehrweg-Gedanke ist ein guter Weg.“

„Eine super Idee“: Kay Lyck war einer der ersten Bäcker, die Anja Kromer (li.) und Christina Lehmann mit ins Boot holen konnten.

„Eine super Idee“: Kay Lyck war einer der ersten Bäcker, die Anja Kromer (li.) und Christina Lehmann mit ins Boot holen konnten.

Die Idee kommt an

Mit der Förderung aus dem Umweltschutzfond der Stadt Kiel konnten Anja und Christina die Produktionskosten für die jeweils ersten 500 Stück mitfinanzieren, genäht werden sie in den Hamburger Elbe-Werkstätten, einer Einrichtung für behinderte Menschen. Ende Oktober war offizieller Verkaufsstart in Kiel. „Die Resonanz ist super“, freuen sich die Gründerinnen. „Die ersten Modelle sind schon ausverkauft, wir warten auf Nachschub“, so Christina. Und auch während unseres Gesprächs im Restez schaltet sich eine Kundin vom Nebentisch ein: „Eine tolle Idee, ich kaufe mir auch so eine Snack-Tüüt“. „Die Kunden nehmen das an und kommen mit den Beuteln zum Einkaufen“, sagt auch Lyck.

Als Anreiz für den müllfreien Einkauf gibt es jeweils – so lange der Vorrat reicht – eine kleine Überraschung, wie zum Beispiel ein kleines Naschi. Die Broot-Tüüt gibt es für 4,50 Euro, die Snack-Tüüt für 5,90 Euro. Geld, so die beiden Studentinnen, verdienten sie mit ihrer Idee bisher nicht. Für die Zukunft suchen sie noch weitere Produktionsstätten sowie Bäcker, die Snack- und Broot-Tüüt in ihrem Laden verkaufen möchten. Ihre Vision: Bäckereien ohne Einwegtüten landauf und landab.

Der Artikel ist erschienen im Magazin Lebensart, Ausgabe 12/16.

 

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